Überzeugender Zweifler

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Hält nicht viel von leeren Phrasen: Carl-Hubertus von Butler setzt auf Menschen und deren Werte. Foto: dpa

Deutsche Generäle? Das sind die arroganten Aristokraten mit dem Monokel und der Reitgerte. Laut, herrisch, selbstverliebt. Peter O’Toole hat einen gespielt, James Mason und selbst Curd Jürgens kamen nicht umhin, Hollywoods Klischee von der deutschen Militärelite darzustellen. Und die Realität im Deutschland des Jahres 2009 – oder besser: im Jahr acht der Afghanistan-Mission? Das „von“ ist vereinzelt noch zu finden, beim Rest müssen wir Hollywood mit allem Nachdruck enttäuschen: Beim Redaktionsbesuch zeigte sich Generalleutnant Carl-Hubertus von Butler, Befehlshaber des Koblenzer Heeresführungskommandos und damit Chef von mehr als 80.000 Heeressoldaten, von der ruhigen, nachdenklichen Seite – und beeindruckte mit seinen persönlichen Schilderungen auch überzeugte „Kriegsdienstverweigerer“.

Ohnehin ist der Dreisternegeneral schwer in eine Schublade zu stecken: Studierter Soziologe und zugleich Fallschirmjäger; ein Kommandeur der schnell entscheiden muss und sich im Gespräch zugleich die Zeit nimmt, Gedanken zu entwickeln; Chef über Zehntausende und zugleich ehrlich am Einzelnen interessiert? Bei von Butler kein Widerspruch. Ganz im Kontrast zum Exerzierplatz, auf den er von seinem Schreibtisch blickt, bevorzugt er die leisen Töne, schafft Vertraulichkeit, indem er sich nicht auf Phrasen zurückzieht, sondern viel von sich selbst preisgibt und zugleich authentisch bleibt. Die üblichen Bundeswehr-Sprüche („Die Wand steht auch von allein“ oder „Haben Sie Geburtstag oder warum haben Sie die Hände in den Taschen.“) kann man sich beim ihm nicht vorstellen. Von Butler baut keine unknackbare Fassade auf. Er lässt Zweifel bei sich und anderen selbstverständlich zu – verbindet damit aber zugleich die Pflicht, sich mit ihnen interessiert auseinanderzusetzen.

In längeren Gesprächen kommt er so zwangsläufig auf das Thema „Werte“, deren Grundgerüst die Soldaten mehr denn je brauchen, weil sie in anderen Kulturen im Einsatz sind und diese nur verstehen und bewerten können, wenn sie sich ihrer eigenen Wurzeln bewusst sind. Butlers persönliche Wurzeln nähren sich aus einer tiefen Religiosität und dem Interesse an deren Traditionen. Seine Teilnahme an der Evangelischen Synode ist dem an Silvester geborenen 58-Jährigen daher eher Inspiration denn Pflichtaufgabe.

Butler scheut sich nicht, den Menschen hinter der mit Orden bestückten Uniform zu zeigen – wenn auch mit einer gewissen Vorsicht. Auf der einen Seite philosophisch-historisch interessierter Naturliebhaber ist er sich auf der anderen Seite immer seine herausgehobenen Stellung in der Armee bewusst. Gerade in Zeiten der Kritik an der Bundeswehr. Dann antwortet er auf kritische Fragen abwägend diplomatisch. Nicht weil er keine konkrete Meinung hätte, sondern weil er sich ihrer Wirkung nur zu bewusst ist.

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16 Gedanken zu “Überzeugender Zweifler

  • 15. Dezember 2009 um 15:02
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    Zustimmung für mietsch.
    Aber wie könnte es besser gemacht werden?

    Überhaupt: der beste Verteidigungsminister war Rühe – Anfang der 90iger Jahre!

  • 14. Dezember 2009 um 21:02
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    Super Vorschlag, sehr fachkundig und absolut zielführend!

    Das alte Spiel:
    1. General (aktiv) macht den Mund auf – Es gilt: Primat der Politik – Fresse halten oder Entlassung
    2. General (aktiv) hält den Mund – Er beachtet Primat der Politik – willfähriger Handlager des Militär-Industriellen-Komplexes

    So oder so, der Beifall kommt immer von der falschen Seite. Die Besoldungsstufe ist da nur Trostpflaster…

  • 13. Dezember 2009 um 13:21
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    So wie es zur Zeit aussieht, ist der entlassenen Schneiderhan eine schwache Person.

    Er soll dem Minister Daten vorenthalten haben – daher entlassen.

    Nun soll das aber nicht stimmen – aber der General schwieg.

    Pension war ihm wohl wichtiger als die persönliche Ehre?

    Und wer keine Ehre kennt, der tötet auch Unschuldige???

    Schafft die Berufsgeneräle ab!

  • 10. Dezember 2009 um 15:43
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    Paul Hahn darf sich wieder aufregen – von wegen Jammerlappen.

    Aber Lausmann könnte ja mal sagen warum Butler nicht von allen gemocht wird – und vielleicht auch warum kein Link zum Interview bei einer Onlinezeitung möglich ist.
    Meinetwegen auch gegen Gebühr – so machen das ja auch andere Onlinezeitungen.

  • 10. Dezember 2009 um 07:11
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    Möglicherweise gibt’s ja keinen Link, weil laut Tweets Christian Lindner an dem Text zweifelt.

    Oder vielleicht hat nach dem Veröffentlichungsverbpt des Köhlerinterviews die Regierung auch die Veröffentlichung des Butlerinterviews verboten?

    Demnach bringt die Zeitung vielleicht nur noch amtlich genehmigte Texte. Und kritische Leserbriefe wie von mir haben schon gar keine Chance auf Veröffentlichung. Aber ich soll Zeitung kaufen. 😀
    Nein Danke. Meinungsfreiheit findet heute nur noch online statt! Und auch da wurde schon versucht Leute „kaltzustellen“.

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  • 9. Dezember 2009 um 19:51
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    Irgendwie ist das schon merkwürdig, ich hätte das Interview auch gern gelesen. Aber deswegen abonniere ich doch nicht gleich eine ganze Zeitung. Das ist ja so als würde ich eine Tankstelle mieten um zu tanken.

    Aber so ist das eben in Zeiten des Paid Content. Deswegen fliegt auch der Feed aus dem Reader.

  • 9. Dezember 2009 um 15:48
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    Abo ist aus verschiedenen Gründen nicht drin.

    Nervendes kindisches Geheul – da mögen Sie teilweise etwas Recht haben. Aber immerhin haben wir jetzt z.B. die Uhrzeit korrekt. Und dass wir noch mal über ein Blog, das wohl wegen der CDU zurückgezogen wurde reden müssen, nervt sicher nur CDUler aber nicht Demokraten.

    Schreiben Sie mal etwas mehr mit Substanz, dann hab‘ ich auch keine Zeit mehr über Uhrzeit und anderes zu jammern. 😀

  • 9. Dezember 2009 um 15:40
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    Tipp für den Jammerlappen Stefan:

    Rhein-Zeitung abonnieren, dann kannst du alles schon um 6 Uhr morgens lesen.

    Und nerv net dauernd in allen Blogs mit deinem kindischen Geheule.

  • 9. Dezember 2009 um 15:00
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    @Lausmann:
    In Zeiten des „Papierlosen“ dürfte es doch kein Problem mit dem Link sein?

  • 9. Dezember 2009 um 13:33
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    Mir geht es nicht um das umsonst.
    Qualität hat ihren Preis.

    Ich warte weiter auf den Link.

  • 9. Dezember 2009 um 11:00
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    Tja Stefan, es gibt eben nicht immer alles umsonst.

  • 9. Dezember 2009 um 11:44
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    Welches Blatt?
    Rhein-Zeitung beziehe ich nicht mehr.
    Stellen Sie bitte einen Link ein!

  • 9. Dezember 2009 um 09:43
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    Lieber Stefan,
    heute ins Blatt schauen, Seite 4, rechts mit Bild. Nicht zu verfehlen. Viel Vergnügen.

  • 9. Dezember 2009 um 08:48
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    Schöne Einführung – aber wo bleibt das konkrete Interview?

    Oder wurde das nicht freigegeben – so wie wohl beim Interview mit Frau Köhler? 😀

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