Taliban machen Jagd auf Sanitäter

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Das rote Kreuz des Helfers ist für die Taliban eine besonders lohnende Zielscheibe. Deshalb haben es viele Isaf-Nationen abgelegt. Foto: dpa

Erneut wird unter großem Aufsehen gefallener Soldaten gedacht. Diesmal in Ingolstradt. Erstmals ist auch ein Oberstabsarzt aus unter den Gefallenen. Er kam aus Wiesbaden, war in Ulm stationiert und er starb auf dem Weg zum Anschlagsort, wo er seine angesprengten Kameraden retten wollte. Es ist das erste Mal, dass auch ein Mitglied des Sanitätsdienstes im Gefecht fällt. Doch schon lange sind ausgerechnet die ausgewiesenen Helfer zur Zielscheibe für die Aufständischen geworden. Das Prinzip: Wenn der Helfer getroffen wird, können sich auch die anderen nicht mehr helfen. Die Taliban machen also gezielte Jagd auf die Ärzte und Sanitäter.

Das geht nun auch aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (Dokument) der Partei Die Linke hervor. „Zum Teil waren durch ihr Schutzzeichen als solche klar erkennbare Sanitätseinheiten und -fahrzeuge sogar bevorzugtes Angriffsziel“, heißt es in dem Dokument. Die Folge: Die Zeichen, die nach der Genfer Konvention Schutz bieten sollen, sind seit dem 28. Juli 2009 abmontiert oder überstrichen worden. Auch die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien und Belgien haben sich zu diesem Schritt entschlossen.

Derzeit sind rund 375 deutsche Sanitätssoldaten mit mehr als 66 Fahrzeugen in Afghanistan im Einsatz. Einige Fahrzeuge wurden zwischenzeitlich mit Maschinengewehren ausgerüstet, zahlreiche Sanitäter daran ausgebildet. Rein optisch sind die Sanitäter von ihren Kameraden nun nicht mehr zu unterscheiden: Sie haben die gleiche Ausrüstung. Doch wollen sie Verwundeten helfen, müssen sie zwangsläufig raus aus dem geschützten Fahrzeug.

Doch zugleich haben sie einen ganz andere Rechtsstatus: „Soweit (…) Sanitätssoldaten der Bundeswehr zur Wahrnehmung von Sanitätsaufgaben eingesetzt werden, nehmen sie nicht unmittelbar an der Um- und Durchsetzung des Isaf-Auftrages teil, sodass sie Befugnisse zur Gewaltanwendung insoweit nicht wahrnehmen“, so die Regierung. Doch es bleiben Zweifel: „In dem Moment, in dem er schießt, ist ein Arzt plötzlich doch Kombattant“, gibt Wolfgang Petersen vom Forum Sanitätsärzte – und 2009 klinischer Leiter der medizinischen Abteilung in Kundus – zu bedenken. Wie ist dann sein rechtlicher Status? „Was passiert, wenn ein Arzt im Gefecht einen Gegner erschießt?“, fragt Petersen – doch eine offizielle Antwort hat er dazu nicht erhalten.

Zwar heißt es, „die notwendige Anwendung militärischer Gewalt zum Zwecke des Eigenschutzes oder der Verteidigung der anvertrauten Verwundeten gehören zu den grundlegenden Rechten und Pflichten von Sanitätssoldatinnen und -soldaten“, doch vor allem nach den Vorgängen um Oberst Georg Klein und den Luftschlag von Kundus wecken diese rechtlichen Grauzonen Zweifel. Zwar relativiert sich diese Doppelrolle der Ärzte und Sanitäter dadurch, dass sich die Aufständischen an keinerlei Regeln hielten, doch bei den Sanitätssoldaten im Einsatz bleibt ein stetes Gefühl der Unsicherheit.

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14 Gedanken zu “Taliban machen Jagd auf Sanitäter

  • 28. April 2010 um 07:16
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    @H.Didi: die Zahl 15.000 hörte ich bei Phoenix am 15.4.

    Heute Morgen hörte ich um 6 Uhr auf SWR3 dagegen eine Zahl 450.

    Mag sein, dass von den rund 70.000 bisher eingesetzten Soldaten 15.000 eine Nachbetreuung bräuchten – aber wirklich ernsthaft krank aus Sicht des Staates nur 450 sind.

  • 27. April 2010 um 20:31
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    @dentier:
    Ich bin gebürtiger Ossi und gerade deshalb kommt mir das Frühstück hoch, wenn ich lese, was die Linkspartei alles schönes insbesondere an der Bundeswehr auszusetzen hat, wohingegen damals die NVA als Beschützerin des Sozialismus gefeiert wurde. Also erzählen Sie mir nichts vom Osten….

  • 27. April 2010 um 19:47
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    @Dentier,
    Sie kennen sich noch nicht einmal in Ihrer eigenen Geschichte aus.

    Mit den Volkskammerwahlen von 1990 haben sich die DDR-Bürger für die „Allianz für Deutschland“ entschieden. Es war die erste und letzte Volkskammerwahl, die nach demokratischen Kriterien ablief.

    Dass Sie die Videoüberwachung mit der STASI vergleichen, ist eine Zumutung und Ihre Aussagen zum Grenzwechsel sind eine bodenlose Geschmacklosikeit gegenüber den Hinterbliebenen derer, die an dieser Grenze ermordet wurden.

    Ja, Sie sollten das Forum wechseln.

  • 27. April 2010 um 16:12
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    p.s. Das geht übrigens etwas am obigen Thema vorbei. Schlage deshalb vor in ein anderes Forum zu wechseln.

  • 27. April 2010 um 16:09
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    Lieber Politikverdruss, damals nach dem Rücktritt der DDR Regierung gab es in Ostdeutschland eine Politik der Runden Tische. Und in dieser Zeit gab es auch noch Ideen und Visionen von einer Vereinigung beider deutschen Länder. Eine Vereinigung mit einer gemeinsamen Verfassung. Soweit ich mich entsinne trat die DDR nach Wunsch der Westdeutschen Politik dem Grundgesetz BEI. Eigener Beitrag Fehlanzeige. Und das Ergebnis sehen sie wenn sie mal nach Sachsen Anhalt rüberfahren. Falsch, das ist ja alles Schuld der Kommunisten. Stasifizierung? Ist das ein anderes Wort für totale Überwachung? Heute heißt das Elena und Videoüberwachung. Ein Grenzwechsel hat sich in der Tat etwas vereinfacht. Für Deutsche.

  • 27. April 2010 um 13:20
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    @Dentier,

    die „Ossis“ sind frei und nicht angegliedert.Sie sind der Stasifizierung entronnen und einer sozialistischen Miefigkeit, die mit der grauen Farbe einer verfallenden Infrastruktur ein bezeichnendes „Antlitz“ besaß. Sie können sich frei bewegen und müssen bei „Grenzwechseln“ nicht mehr um Leib und Leben fürchten. Also erzählen Sie uns nichts von „sozialistischen Versuchen.“

  • 26. April 2010 um 21:59
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    Lieber Mietsch, es ist Ihnen vielleicht entgangen oder von Ihnen wegen Ihrer offensichtlichen Aversion gegen den Versuch des Sozialismus in Ostdeutschland auch bewußt unterschlagen: Sie haben gewonnen! Die Ossis sind angegliedert. Die dürfen keine eigenen Dinger mehr machen, sondern sich gefälligst der Bundesdeutschen Verfassung unterordnen. Und das schon seit 20! Jahren. Die Linke ist eine gesamtdeutsche Partei. Das gibt es sogar Bayern drin!

  • 26. April 2010 um 19:37
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    Ich meinte natürlich nicht die selben Gestalten, sondern die Herrschaften der Linkspartei…

  • 26. April 2010 um 19:35
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    Habe mir mal die Zeit genommen und die Anfrage der Linken zu Gemüte geführt. Wie bei allen Anfragen dieser „ehrenwerten“ Partei ist dieses Schriftstück durchzogen von Unterstellungen und einem offenkundigen Hass gegen eine Institution unseres Staates. Es ist schade, dass vermutlich Dutzende von hochbezahlten Beamten und Soldaten an der Bearbeitung dieses Schundes sitzen müssen, anstatt sich um wichtigere Dinge kümmern zu können. Es empört mich um so mehr, da vor 1990 diejenigen Probleme bekamen, die in der DDR die „sozialistische Wehrerziehung“ in der Schule in Frage stellten. Die selben Gestalten regen sich heute darüber auf, dass die Bw in Schulen Veranstaltungen anbietet, in denen keine Rekrutierung betrieben wird, sondern über sicherheitspolitische Zusammenhänge (dazu gehört selbstverständlich auch der Auftrag der Bw) ERGEBNISOFFEN diskutiert wird. Aber heute werden ja auch keine sozialistischen Errungenschaften verteidigt, sondern die Interessen des Monopolkapitals. So, langsam wieder abregen über diese „Volksvertreter“.

  • 26. April 2010 um 14:03
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    das Fiese an einem Krieg ist, das man umso erfolgreicher ist, je weniger man sich an die Regeln hält.

  • 26. April 2010 um 07:40
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    Also ich verstehe keinen Soldaten und auch nicht die Sanitätssoldaten mehr, der noch nach Afghanistan geht.

    Gut – man bekommt wohl nach dem Einsatz eine Prämie von über 10.000 Euro, vielleicht auch steuerfrei. Und damit kann man sich etwas aufbauen.

    Aber ansonsten scheint die Bundeswehr jegliche Nachsorgeverantwortung gegenüber den aus dem Krieg krank Heimkehrenden zu verweigern.

    Und das Risiko, dass man nicht wieder gesund zurückkehrt, ist groß. Allein 15.000 Ehemalige sollen in psychischer Behandlung sein – sofern sich eine Kasse findet, die diese Bundeswehrkosten übernimmt.

  • 26. April 2010 um 00:02
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    In allen relevanten Führungslehrgängen der BW wird gelehrt, dass auch die nichtkämpfenden Truppenteile wie die SanTruppe mit „leichten Waffen“ ausgerüstet sind, um für sich und die Verletzten Notwehr und Nothilfe leisten zu können.

    Und nichts anderes macht ein Sani der einen Angreifer tötet. Dafür braucht man nicht mal das Kriegsvölkerrecht, sondern „nur“ das Strafgesetzbuch:

    Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden (vgl. § 32 Abs. 2 Strafgesetzbuch).

    Und wer gegen die Genfer Konvention verstößt, muss mit dem Notwehrrecht nach dem römischen Rechtsgrundsatz „Vim vi repellere licet“ (Gewalt darf mit Gewalt erwidert werden), rechnen.

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