Offensive 3.0 – die Natospitze prescht vor

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Prost Admiral! Nato-Kommandeur James "Jim" Stavridis zeigt sich volksnah. Foto: Screenshot Facebook

Zum Einstieg ist es immer einfacher, mit dem virtuellen Finger erst einmal auf die anderen zu zeigen:

Denn was die Kommunikation betrifft, hat das Verteidigungsministerium in Berlin den Kalten Krieg noch längst nicht abgeschüttelt: Erst wird gemauert, dann die Salami-Taktik angewandt, schließlich leise zurückgerudert. Natürlich werden die meisten Themen überhaupt erst unter Druck aufgegriffen. Ein ganz anderer Wind herrscht da seit diesem Sommer in Brüssel. Mit dem doppelten Wechsel an der Nato-Spitze ist auch eine nie gekannte Offenheit ins Nordatlantische Bündnis eingezogen – zumindest scheinbar. Hauptakteure der politische Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und sein militärisches Pendant US-Admiral James Stavridis. Von wegen Top Secret! Charme-Offensive lautet der Schlachtplan der neuen Chefs. Und das auf allen Flanken: Egal ob bei Facebook (Stavridis, Rasmussen),  in Stavridis‘ Blog „Von der Brücke“ oder in Rasmussens regelmäßigem Videoblog – die Doppelspitze lässt sich bei ihrer hartnäckigen Internet-Offensive 3.0 nicht abdrängen. Als kleinen Info-Happen setzt Dänemarks Ex-Premier Rasmussen sogar bei Twitter noch einen drauf.

Das strategische Ziel ist leicht durchschaut: Austausch und menschliche Nähe sollen die verschiedenen Plattformen offenbar bieten, Sympathien und ein besseres Image einbringen. Statt martialischer Posen und waffenstarrender Machtdemonstration, grinst der neue Oberbefehlshaber dem Besucher von zahlreichen Fotos entgegen – egal ob beim sonnigen Besuch auf dem Flugzeugträger, dem Highschool-Ball der eigenen Tochter oder beim fruchtigen Bier in Brüssels angesagten Kneipen. Soviel persönliche Nähe war wohl nie unter der dunkelblauen Flagge mit dem Stern.

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Ausnahmsweise mal am Rednerpult und nicht im direkten Gespräch mit dem Blog-Besucher: Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Foto: dpa

Sei politischer Gegenpart setzt derweil ganz auf direkte Ansprache. Nicht von der Kanzel, nicht vom Rednerpult, sondern direkt auf dem Bildschirm – Sie! Ja genau Sie meine ich, scheint Rasmussen mit gewinnendem Lächeln sagen zu wollen. Informieren und Überzeugen so die kombinierte Offensive.

Doch – Stopp! Rühren! Entspannen! – Bündnispartner und Untergebene können aufatmen: Geheime Aufmarschpläne oder sicherheitsrelevante Hinweise sind den beiden bisher nicht über die Lippen gekommen. Sicher geben beide Einblicke in ihre permanenten Reisen – vermutlich verbringen sie demnach mehr Zeit im Flugzeug als auf der Erde – doch kommen diese Positionsmeldungen immer erst mit einer gewissen Verzögerung. Man kann auch nicht erwarten, dass die beiden ähnlich offen wie seinerzeit Rudolf Scharping zuwerke gehen, der sich 2001 in einer Pressekonferenz über die Aufmarschrouten für das Truppenkontingent ausließ, das aus dem Kosovo nach Mazedonien einrücken sollte, um die UCK zu entwaffnen. Der neben ihm sitzende General Kujat war nach erster Verblüffung mäßig begeistert – was man ihm auch deutlich ansah.

Vielleicht kommen solche Sternstunden eines jeden Bloggers ja noch: Stavridis wird die kommenden drei Jahre auf der Nato-Brücke stehen, Rasmussen zunächst bis zu fünf. Währenddessen wird dieser Blog immer wieder auf deren Blogs und Seiten blicken – und längst nicht immer mit einem Zwinkern.