KSK – lichtet sich der Nebel?

Erst vor einer Woche war das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr in einer TV-Doku zu sehen. Vieles blieb unklar, die meisten Fragen unbeantwortet, eines aber ließ keinen Zweifel zu: Die Elitesoldaten werden so hart wie möglich ausgebildet, um im Einsatz weit über ihre Grenzen, um bis zum Äußersten  zu gehen. Doch bislang sind kaum Informationen über den KSK-Einsatz in Afghanistan bekannt. Höchste Geheimhaltungsstufe.

Doch nun fallen einige Lichtstrahlen auf die Schattenkrieger. Eine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion an das Verteidigungsministerium brachte nun neue Informationen an die Öffentlichkeit. Immer wieder hieß es aus Fachkreisen, dass auch KSK-Soldaten – ebenso wie die amerikanischen Special Forces – Jagd auf Taliban-Kommandeure machen. Nun räumt Staatssekretär Thomas Kossendey in seiner Antwort ein, dass in den vergangenen drei Jahren 50 Gefangene gemacht und an afghanische Behörden übergeben wurden.

Konkret geht es um die „Task Force 47″, die im Zusammenhang mit dem Bombardement in Kundus vor einem Jahr bekannt wurde. und Kossendeys Antwort belegt: Auch in zwei weiteren Fällen wurde von KSK-Einheiten Luftunterstützung angefordert und von Verbündeten bombardiert. Gezielte Tötungen sind der Bundeswehr in Afghanistan im Gegensatz zu anderen Nationen weder durch Gesetz noch durch das Einsatzmandat des Bundestags erlaubt. Laut Kossendey waren deutsche Soldaten auch „weder an der Vorbereitung und Planung noch an der Durchführung“ von Tötungsaktionen der US- Spezialkräfte beteiligt.

Doch wie üblich stecken die Zweifel im Detail: So meldet dpa „Für eine der insgesamt vier ISAF-Ziellisten hat die Bundeswehr bisher insgesamt 15 Personen gemeldet, denen „ein konkretes Gefährdungspotenzial für ISAF und die afghanischen Sicherheitskräfte zugeordnet“ worden sei. Zwei davon sind laut Verteidigungsministerium in Gefechten getötet worden, davon einer von der afghanischen Armee und einer bei einer Zugriffsoperation von US-Spezialkräften„.

Die Formulierung ist bewusst gewählt. Doch was genau steckt hinter den Worten? Wie müssen sie interpretiert werden, um der Wahrheit gerecht zu werden? Für den Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele ist damit eine indirekte Beteiligung der Bundeswehr an gezielten Tötungen belegt. „Ich halte diese Praxis für einen Verstoß gegen Grundgesetz, Völkerrecht und Menschenrechtskonvention“, erklärte er.

Der Vorwurf allein muss im Detail belegt werden. Aber auch das Gegenteil. Es bleibt, wie es ist: Das KSK wirft immer noch weit mehr Fragen auf, als es Antworten geben will.

KSK-Doku – die Geheimnisse verteidigt

Hochgerüstet und ebenso ausgebildet - das KSK. Foto: PIZ Heer

Eine geheime Spezialeinheit der Bundeswehr zur besten Sendezeit: Für 30 Minuten Sendezeit (ARD 21.45 Uhr) hat sich ein Kamerateam unter die Bewerber im Auswahlverfahren für das Kommando Spezialkräfte gemischt. Zumindest wirkt es so: Beim endlosen Marsch einen Berg hinauf, läuft die Kamera an der Seite mit – nur dass der Soldat nochmals einen 25-Kilo-Holzblock aufgeladen bekommt. Auch beim Schießtraining oder der Fallschirmausbildung in Arizona – acht Sprünge am Tag – steht die Kamera direkt hinter dem Soldaten, sodass man ihn schwer atmen hört, ohne das Gesicht zu sehen. Es soll auch der Blick in die Seele eines Elitesoldaten, eines Einzelkämpfers sein. Bilder eines gemeinsamen Gottesdienstes sowie der Verleihung der Einheitsspange deuten den Korpsgeist der 1996 gegründeten und in Calw stationierten Truppe an. Spannende Bilder, die über die Leistungs- Selbstquälfähigkeiten von Menschen Aufschluss geben. Doch der entscheidende Satz fällt ganz zum Schluss, fast unhörbar.

Denn was das ARD-Team zwar andeuten, allerdings durch die Vorgaben der Truppe nicht erfassen kann, ist die Realität nach der Ausbildung. Was passiert, wenn das, wofür man ausgebildet wurde, wirklich eintritt? Wenn die Handkante ihm Nahkampf lautlos töten muss oder im unübersichtlichen Gefecht Dutzende Schüsse fallen? Der Zuschauer sieht, was das harte Auswahlverfahren mit Menschen macht, die weit über ihre Grenzen gehen. Doch entsteht zugleich nur eine vage Ahnung, welchen Veränderungen dieselben Menschen ausgesetzt sind, wenn sie das Erlernte im Einsatz anwenden.

Viele Mythen ranken sich um die KSK-Soldaten – nicht nur, weil sie mit Sturmhauben anonym bleiben. Die noch junge Einheit, die gegründet wurde, nachdem gefährdete Deutsche in Ruanda durch belgische Spezialisten gerettet werden mussten, hat laut Experten noch nicht zu einer eigenen Identität gefunden. Als Vorbilder dienen die Seals der Amerikaner oder die SAS-Einheiten der Briten.

In ruhigen, väterlichen Ton betont der Kommandeur, Brigadegeneral Hans-Christoph Ammon, zwar im Film, dass die KSK-Zugehörigkeit eher mit größeren Pflichten als mit größeren Freiheiten verbunden ist. Doch immer wieder berichten Magazine wie der Stern von eigenwilligem bis fragwürdigem Verhalten der KSK. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die Einheit, die formell der Division Spezielle Operationen untersteht, vom Rest der Bundeswehr weitgehend isoliert ist. Und selbst die Parlamentarier im Verteidigungsausschuss fühlen sich oft nur notdürftig über die Einsätze der KSK informiert – zum Beispiel jüngst, als es um die Rolle der „Task Force 47″ beim Luftangriff von Kundus oder die gezielte Jagd auf Talibankommandeure ging.

Die ARD-Dokumentation mag der Versuch gewesen sein, ein wenig Transparenz zu simulieren, ein wenig gegen die Mythen und Vermutungen vorzugehen. Das Ergebnis ist letztlich aber mehr als durchwachsen: Wer der Bundeswehr positiv gegenübersteht und sich vom Korpsgeist samt den Geheimnissen der Spezialeinheiten faszinieren lässt, den werden die Bilder vom gnadenlosen Auswahlverfahren beeindruckt bis begeistert haben. Wer jedoch skeptisch nach Sinn, Zweck und Verfassungskonformität der Calwer Truppe fragt, der wird an den unbeantworteten Fragen des Teams um Günther Henel hängen geblieben sein. Für die zweite Gruppe beginnt die eigentliche Geschichte dort, wo der Film zwangsläufig aufhört. Doch diese Fragen werden vorerst unbeantwortet bleiben – zumindest so lange wie der Einsatz in Afghanistan dauert. Das gehört zum Charakter und Sicherheitsverständnis von Spezialeinheiten dazu. Dass es nach Einsatzende offengelegt  wird, gehört indes zur Demokratie, nach deren Regeln das KSK zu operieren hat. Und dazu gehört auch, dass es vom Auftraggeber, dem Parlament, kontrolliert werden kann.

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