Butler: Der Einsatz hat Vorfahrt vor der Reform

Carl-Hubertus von Butler im Gespräch mit deutschen Soldaten in Afghanistan. Foto: PIZ Heer

An diesem Donnerstag enden in Koblenz rund 200 Jahre Heerestradition. Mit Carl-Hubertus von Butler tritt der letzte General eines Koblenzer Kommandos in den Ruhestand. Und das eine ganze Ecke früher als zunächst gedacht, denn am Ende des Jahres hätte für das Silvesterkind ohnehin die Altersgrenze gestanden. Plötzlich musste alles binnen weniger Wochen gehen. Trotzdem hat sich vB, wie er respektvoll von vielen genannt wird, die Zeit für ein Abschlussinterview zu Bundeswehrreform, Afghanistan und dem was nun auf Koblenz zukommt genommen.

Überraschend gehen Sie neun Monate vor der Altersgrenze in den Ruhestand. Warum?

Das ist im 42. Dienstjahr nichts Außergewöhnliches. In meinem konkreten Fall hat es sich durch die Neuausrichtung der Bundeswehr und die damit verbundene Außerdienststellung des Heeresführungskommandos zum Oktober ergeben. Bereits jetzt werden die Weichen für die kommende Struktur des Heeres gestellt, und dann ergibt es auch Sinn, die Verantwortung in die Hände zu geben, die in der neuen Struktur führen werden.

Wer hat Ihr Ausscheiden zum Ende des Monats letztlich beschlossen?

So eine Entscheidung trifft immer die politische Ebene. Aber ich bin gefragt worden und habe zugestimmt, weil es sinnvoll ist.

Wer wird Ihr Nachfolger?

Es wird keinen Nachfolger als Befehlshaber des Feldheeres geben – ich bin der letzte. Aber mein Stellvertreter, Generalmajor Reinhard Kammerer, wird die Führung übernehmen.

Was kommt in den kommenden Monaten auf Ihre Mitarbeiter in Koblenz zu?

Da kommt einiges – durch das neue Kommando Heer vor allem personeller Art. Es laufen momentan die Planungen für die Verlegung nach Strausberg. Aber derzeit sieht es so aus, dass die Masse des Stabes noch deutlich über die offizielle Außerdienststellung im Oktober hinaus in Koblenz sein wird, dann im Kommando Heer. Das Ganze ist ein schrittweiser Prozess – gerade für eine Armee, die mit vielen Soldaten im Einsatz ist.

Sie haben vor genau zehn Jahren das erste Afghanistan-Kontingent der Bundeswehr in den Einsatz geführt. Hätten Sie sich damals vorstellen können, dass heute immer noch mehr als 4800 Deutsche dort sind?

Nein, ganz gewiss nicht. Als ich mit den ersten 43 Soldaten in Kabul gelandet bin, sind wir davon ausgegangen, dass der Einsatz vielleicht ein bis zwei Jahre dauert. Nach und nach haben wir erst gesehen, wie groß die Aufgabe wirklich ist. Wir haben die Ziele zu Beginn zu hoch gesteckt und die Dimensionen unterschätzt. Deshalb wurde der Kurs in den Folgejahren korrigiert – was dazu führte, dass wir heute noch dort sind und auch noch einige Zeit bleiben.

Vor Kurzem sagten Sie, dass man damals blauäugig in den Krieg gezogen sei. Wann und wodurch ist Ihnen das bewusst geworden?

Während des Einsatzes habe ich es nicht realisiert. Erst als der Einsatzraum von Kabul ins gesamte Land ausgeweitet wurde – und dann auch von Deutschland aus –, habe ich erkannt, mit welchen Risiken wir es wirklich zu tun hatten. Meine Reisen zur Truppe im Einsatz haben viel zu diesem Verstehensprozess beigetragen.

Was war der entscheidende Fehler des Westens?

Ich möchte nicht nachträglich vom hohen Ross urteilen. Wir haben sicher alle aus dieser Art Einsatz gelernt und lernen müssen. Zum Beispiel, wie man mit einem Land umgeht, das am Boden liegt und das man in eine eigene Mündigkeit zurückbringen will.

Ist dieses Ziel überhaupt noch zu erreichen?

Ich denke ja. Die Fortschritte, die ich sehe, machen mich vorsichtig optimistisch.

Seit Einsatzbeginn sind 52 Deutsche ums Leben gekommen. Wie oft haben Sie die Afghanistan-Mission bereut?

Bereuen ist der falsche Begriff. Wir Soldaten haben einen Eid auf die Bundesrepublik Deutschland abgelegt und sind durch einen Parlamentsbeschluss in Afghanistan. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen, und wenn dies eintritt, ist es immer einmal zu viel. Aber wir können in diesen Auslandseinsätzen nie ausschließen, dass es Verwundete oder Gefallene geben wird.

Was ist die Konsequenz?

Wir müssen unsere Soldaten bestmöglich ausbilden. Und wenn etwas passiert, müssen die Soldaten und ihre Familien umfassend versorgt werden.

Sie beschreiben die Herausforderungen einer Einsatzarmee. Als Sie 1971 Soldat wurden, sah die Bundeswehr ganz anders aus. Wissen Sie aus dem Stand, wie viele Reformen Sie mitgemacht haben?

Schwer zu sagen – aber sicher mehr als zehn. Wenn man den Leutnant von Butler aus dem Kalten Krieg an der innerdeutschen Grenze mit dem Brigadegeneral von Butler in Kabul vergleicht, sieht man den großen Wandel unseres Landes in dieser Zeit. Wir übernehmen jetzt Verantwortung für Dinge, über die wir früher nicht einmal nachgedacht hätten.

Was war der radikalste Schnitt?

Eine Kette von Reformen im Rahmen der Wiedervereinigung, die nicht nur Bundeswehr und NVA vereinte, sondern bis heute aus einer Wehrpflichtigenarmee mit bis zu 1,3 Millionen Soldaten eine viel kleinere, aber hochflexible Einsatzarmee gemacht hat.

Was ist heute noch von der Bundeswehr übrig, in die Sie eingetreten sind?

Das Grundprinzip der Inneren Führung und das ethische Wertefundament, auf dem wir stehen. Strukturell hat sich natürlich sehr viel geändert – zuletzt durch die Aussetzung der Wehrpflicht. Ein Schritt, den ich für richtig halte.

Wo kommen bei der aktuellen Reform kritische Punkte auf die Bundeswehr zu?

Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Wir müssen jetzt den Schritt zur Freiwilligenarmee meistern. Zugleich muss der Umbau geleistet werden, obwohl die Bundeswehr mit Tausenden Angehörigen im Einsatz ist.

Sind Umbau und Einsatz parallel vereinbar?

Ja, aber der Schwerpunkt muss auf dem Einsatz liegen. Und wenn Einheiten dort sind, darf nicht zugleich eine Umstrukturierung stattfinden. Das ist die Schwierigkeit der kommenden Monate und Jahre.

Welche Kasernen trifft es morgen? Ein bisschen Analyse statt Spekulation

Welche Kasernen werden als nächstes verwaisen? Foto: flickr / melvin_udall

Die Bundeswehrreform nimmt Konturen an – doch der wichtigste Teil kommt erst noch: die Standortfrage. 400 gibt es derzeit bundesweit, fast jeder zehnte davon ist in Rheinland-Pfalz. Seit Anstoß der Reform durch Karl-Theodor zu Guttenberg geht das Schreckgespenst der Schließung in den meisten Garnisonsorten um. 40- bis 60-mal könnte der Rotstift angesetzt werden, schätzt der SPD-Wehrexperte Rainer Arnold – muss aber auch einräumen, dass die Informationspolitik des Verteidigungsministeriums „ziemlich rigide“ ist. Seit Monaten erklärt Minister Thomas de Maizière (CDU) gebetsmühlenartig, dass er verfrühte Spekulationen nicht befeuern, sondern alle Seiten gleichzeitig informieren will.

Das Konzept soll sich aus einer Formel aus Gesamtumfang (bis zu 185 000 Mann), dem Fähigkeitsprofil (Einsatzarmee aus Freiwilligen) und der Finanzierbarkeit ergeben. Dabei heißt es nicht zwangläufig, dass eine Kaserne schließt, wenn die bislang dort stationierte Einheit aufgelöst wird – schließlich könne man andere Einheiten dort ansiedeln. Zugleich hat der Minister aber immer wieder seine eigene Devise umgangen und Andeutungen über künftige Verlagerungen gemacht. So hat der gebürtige Bonner zuletzt noch einmal klargemacht, dass die Rheinschiene mit ihren Tausenden Dienstposten alles andere als unantastbar ist. Im Gegenzug ist für den Minister auch klar, dass manche Einheiten wie zum Beispiel laute Jagdflieger in der Fläche besser aufgehoben sind.

Doch mit der Umwandlung von einer Wehrpflichtigen- zur Freiwilligenarmee sind bei dieser Reform erstmals noch ganz andere Kriterien an die Standorte zu stellen – manche haben enorm an Bedeutung hinzugewonnen, andere indes haben an Einfluss verloren.

Kosten abbauen: Liegenschaften haben immer einen logistischen Grundbedarf. Wachdienst, Instandhaltung, Verpflegungsbetrieb sowie Energiebedarf sprechen in vielen Regionen für die Schließung kleiner Kasernen und die Zusammenlegung in großen. Intern wird mit einer Größe von mindestens 1000 Mann pro Standort gerechnet. Die absolute Mindestgröße lag in der Vergangenheit bei rund 600 Mann. Je nach Anbindung und Bedarf könnte allerdings auch eine Reihe von Kleinstandorten überleben.

Sichtbarkeit: Eine Armee kann nur ausreichend Freiwillige werben, wenn sie in der Gesellschaft auch präsent ist. Zugleich lassen sich Bewerber leichter ködern, wenn eine gewisse Heimatnähe oder zumindest eine gute Anbindung an die Ballungsräume gegeben ist. Kaum jemand wird sich langfristig an die Bundeswehr binden, wenn damit ein Leben fern der kulturell interessanten Zentren garantiert ist. Das Schlagwort ist Attraktivität. Zugleich dürfen nicht ganze Landstriche komplett verwaisen.

Infrastruktur: Gute Verkehrsanbindungen sind ein Muss, zugleich ist die unmittelbare Nähe zu Truppenübungsplätzen und anderen Ausbildungszentren ein Plus.

Bündnisfragen: Manche Standorte, in denen Nato-Kommandos oder internationale Einheiten stationiert sind, können ohne Rücksprache mit den Partnern nicht geschlossen werden. Für andere spricht die geografische Lage. So dürfte beispielsweise die weit abgelegene Kaserne im vorpommerschen Torgelow davon profitieren, dass es ein multinationales Korps gemeinsam mit Polen und Dänemark gibt. Ähnliches gilt für Rheinland-Pfalz, wo eine gewachsene Kooperation mit benachbarten US-Einheiten bessere Chancen auf eine Zukunft sichern dürfte.

Tradition: Bei De Maizières nüchterner Herangehensweise bleibt für Nostalgie wenig Raum. Den Satz „Hier war schon immer …“ wird der Minister auf seine elegant spöttische Art schnell entkräften. Denn wenn die Reform der große Wurf sein soll, muss sie mit dem Fundus der alten Bundeswehr brechen.

Arbeitsplätze: Der Auftrag lautet Sparen. Deshalb wird die Reform auf Arbeitsplätze, die mittelfristig auslaufen, keine Rücksicht nehmen. Alles andere wäre haushälterisch kaum zu rechtfertigen.

Bisherige Investitionen: Dass in den vergangenen Jahren viel Geld in einen Standort geflossen ist, ist keine Garantie für den Fortbestand. Natürlich muss die Armee schon einiges an Komfort bieten, um Freiwillige langfristig binden zu können. Auf der anderen Seite bietet ein moderner Standort auch die Chance auf eine schnelle Konversion. Sollte es sich mittelfristig rechnen, einen solchen Standort zu privatisieren, könnten Käufer und Verkäufer davon profitieren.

Strukturförderung: War es lange ein schlagendes Argument, Kasernen in der Fläche zu bauen, so kann die Bundeswehr unter dem Kostendruck heute nicht mehr als indirekte Subventionsmaßnahme betrachtet werden. De Maizière besteht auf dem klaren Nutzen für die Streitkräfte selbst.

Proporz und Generalssterne: Vieles deutet darauf hin, dass der Verteidigungsminister seine Entscheidungen weitgehend unabhängig von den Bundesländern fällen will. Hintergrund: Bei der jüngsten Reform der Bundeswehr gab es bereits ein großes Geschacher um Standorte und Generalssterne. Da die vier Wehrbereichskommandos gestrichen werden, fallen unter anderem in Mainz und München Zweisternegenerale weg. Manche Landesregierung könnte deshalb auf einen Ausgleich pochen, zumal auch die Divisionen mit ihren Generalen von fünf auf drei reduziert werden. Ein Länderproporz würde allerdings den meisten anderen Kriterien zuwiderlaufen.

Insofern bleibt es spannend, inwieweit das Verteidigungsministerium unter Thomas de Maizière dem heftigen Drängen der Bundesländer und auch der Abgeordneten, in deren Wahlkreisen die Bundeswehrkasernen stehen, nachgeben wird. Bis Mittwochmittag wird deshalb in jedem Fall noch sehr intensiv spekuliert – und manche Befürchtungen werden sich vermutlich am Ende auch bewahrheiten.

Räumt OpInfo einen Standort?

Auf die Truppe wartet ein Herbst der Entscheidungen. Spätestens Ende September will der Verteidigungsminister sein neues Konzept vorlegen, das dann auch auch die Truppenstruktur und Standortfrage klären soll. Doch bereits jetzt werfen die Pläne ihre Schatten voraus, zeichnen sich mögliche Veränderungen ab. So auch beim einzigen Medienbataillon der Bundeswehr, dem Bataillon 950 in Koblenz.

Sicher ist in jedem Fall: Auf das Medienbataillon kommen große Veränderungen zu – nicht nur, weil jetzt der Kommandeur gewechselt hat. Nach nur zwei Jahren folgt Oberstleutnant Jörg Franke auf den gleichrangigen Stefan Gruhl nach. Doch vor allem die Worte des vorgesetzten Chefs des Mayener Zentrums für Operative Information (OpInfo), Oberst Wolfgang Richter, hallen nach: „Genießen Sie Ihre Zeit als Kommandeur dieses einzigen Medienbataillons – Sie werden einer der letzten sein.“ Im Rahmen der Bundeswehr-Reform steht die traditionelle Trennung zwischen Zentrum und Bataillon auf der Kippe. Intern wird über eine Zusammenlegung diskutiert – ob in Mayen oder Koblenz ist aber noch offen. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne Truppenteile und ihre Fähigkeiten für die Neuausrichtung nicht mehr benötigt werden. so ist beispielsweise fraglich, ob die schweren Druckeinheiten weiterhin benötigt werden. Spätestens wenn Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Ende September sein Konzept über Truppen- und Standortstruktur vorstellt, dürfte es Klarheit über die neue Ausrichtung der Operativen Information geben.

Es wäre ein herber Einschnitt für die Fachtruppe – obwohl sie stetigen Wandel gewohnt ist. In der Ära Gruhl wechselten alle Kompaniechefs. Permanent sind Truppenteile im Kosovo und in Afghanistan im Einsatz. In den kommenden zwei Wochen gehen die nächsten Koblenzer für vier Monate nach Afghanistan. Erschwerend kommt hinzu, dass zeitgleich mit dem Kommandowechsel auch die Zeit der rund 100 Wehrpflichtigen bei der Operativen Information endet. Die Aussetzung der Wehrpflicht dürfte das Medienbataillon noch härter als andere Truppenteile treffen. Durch die fachliche Spezialisierung ließ sich bisher ein großer Prozentsatz von einer Weiterverpflichtung überzeugen. Das entfällt nun, die Operative Information muss viel stärker als bisher und vor allem früher um Fachkräfte werden.

Doch Richter sieht das Bataillon für die Veränderungen gut aufgestellt. „Die Einsatzfähigkeit ist unter Oberstleutnant Gruhl nochmals erhöht worden“, würdigte Richter, „OpInfo ist für die anderen Einheiten im Einsatz längst nicht mehr ein lästiges Anhängsel, sondern ein wertvoller Bestandteil.“ Nicht zuletzt ein Ergebnis der „gut organisierten, durchdachten und intensiven Führung“. Der Lohn für den promovierten Generalstabsoffizier Gruhl: Er wechselt in den Planungsstab des Verteidigungsministeriums in Berlin. Ein Karrieresprung für den drahtigen 42-jährigen Kölner, der ursprünglich bei der Pioniertruppe ausgebildet wurde.

Sein Nachfolger Jörg Franke hat ebenfalls den Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr durchlaufen. Auf ihn wartet eine anspruchsvolle Aufgabe, muss er doch zugleich die Einheiten in Koblenz auf den nahenden Einsatz vorbereiten als auch immer Kontakt zu seinen Soldaten im Ausland halten. Erschwerend kommt hinzu, dass Franke direkt nach der Eingewöhnungsphase selbst zum Jahresende in den Auslandseinsatz muss. Auch sein Vorgesetzter, Oberst Richter, macht sich in wenigen Tagen auf den Weg an den Hindukusch. Keine idealen Voraussetzungen für die anstehende Phase der Umstrukturierungen. Aber oftmals Realität in einer Armee im Einsatz.

 

Überzeugender Zweifler

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Hält nicht viel von leeren Phrasen: Carl-Hubertus von Butler setzt auf Menschen und deren Werte. Foto: dpa

Deutsche Generäle? Das sind die arroganten Aristokraten mit dem Monokel und der Reitgerte. Laut, herrisch, selbstverliebt. Peter O’Toole hat einen gespielt, James Mason und selbst Curd Jürgens kamen nicht umhin, Hollywoods Klischee von der deutschen Militärelite darzustellen. Und die Realität im Deutschland des Jahres 2009 – oder besser: im Jahr acht der Afghanistan-Mission? Das „von“ ist vereinzelt noch zu finden, beim Rest müssen wir Hollywood mit allem Nachdruck enttäuschen: Beim Redaktionsbesuch zeigte sich Generalleutnant Carl-Hubertus von Butler, Befehlshaber des Koblenzer Heeresführungskommandos und damit Chef von mehr als 80.000 Heeressoldaten, von der ruhigen, nachdenklichen Seite – und beeindruckte mit seinen persönlichen Schilderungen auch überzeugte „Kriegsdienstverweigerer“.

Ohnehin ist der Dreisternegeneral schwer in eine Schublade zu stecken: Studierter Soziologe und zugleich Fallschirmjäger; ein Kommandeur der schnell entscheiden muss und sich im Gespräch zugleich die Zeit nimmt, Gedanken zu entwickeln; Chef über Zehntausende und zugleich ehrlich am Einzelnen interessiert? Bei von Butler kein Widerspruch. Ganz im Kontrast zum Exerzierplatz, auf den er von seinem Schreibtisch blickt, bevorzugt er die leisen Töne, schafft Vertraulichkeit, indem er sich nicht auf Phrasen zurückzieht, sondern viel von sich selbst preisgibt und zugleich authentisch bleibt. Die üblichen Bundeswehr-Sprüche („Die Wand steht auch von allein“ oder „Haben Sie Geburtstag oder warum haben Sie die Hände in den Taschen.“) kann man sich beim ihm nicht vorstellen. Von Butler baut keine unknackbare Fassade auf. Er lässt Zweifel bei sich und anderen selbstverständlich zu – verbindet damit aber zugleich die Pflicht, sich mit ihnen interessiert auseinanderzusetzen.

In längeren Gesprächen kommt er so zwangsläufig auf das Thema „Werte“, deren Grundgerüst die Soldaten mehr denn je brauchen, weil sie in anderen Kulturen im Einsatz sind und diese nur verstehen und bewerten können, wenn sie sich ihrer eigenen Wurzeln bewusst sind. Butlers persönliche Wurzeln nähren sich aus einer tiefen Religiosität und dem Interesse an deren Traditionen. Seine Teilnahme an der Evangelischen Synode ist dem an Silvester geborenen 58-Jährigen daher eher Inspiration denn Pflichtaufgabe.

Butler scheut sich nicht, den Menschen hinter der mit Orden bestückten Uniform zu zeigen – wenn auch mit einer gewissen Vorsicht. Auf der einen Seite philosophisch-historisch interessierter Naturliebhaber ist er sich auf der anderen Seite immer seine herausgehobenen Stellung in der Armee bewusst. Gerade in Zeiten der Kritik an der Bundeswehr. Dann antwortet er auf kritische Fragen abwägend diplomatisch. Nicht weil er keine konkrete Meinung hätte, sondern weil er sich ihrer Wirkung nur zu bewusst ist.