Deutschlands Achillesferse in Afghanistan

13231450Wenn man den Koblenzer Chef des Feldheeres, Generalleutnant Carl-Hubertus von Butler, nach den Schwachstellen der deutschen Isaf-Truppen fragt, dann kommen ihm nicht zuerst die gepanzerten Fahrzeuge in den Sinn. Auch wenn mehr als zehn Prozent der 800 in Afghanistan stationierten Dingos, Mungos usw. unbrauchbar sind. „Was fehlt, ist die Luftbeweglichkeit, sprich Hubschrauber“, kritisiert Butler. Die schon lange versprochenen Tiger und NH-90 lassen weiterhin auf sich warten und teilweise ist gar nicht klar, ob die für den Einsatz in Europa konstruierten Helikopter am Hindukusch überhaupt funktionieren werden. Also muss der alte Lastesel CH-53 weiter herhalten – und sollen nun sogar noch ein wenig draufsatteln. Was nun öffentlich für heftigen Widerspruch sorgt.

„Die personellen Reserven sind erschöpft. Wir werden schon die acht Maschinen, die derzeit im Isaf-Einsatz sind, unter der derzeitigen Auftragsanforderung im kommenden Jahr nicht mehr leisten können“, warnt Oberstleutnant Reinhard Schlepphorst, Bundesvorsitzender der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr (IGTH), heute in der Ahlener Zeitung. Er reagiert damit auf die Ankündigung des Verteidigungsministers, die Helikopterflotte in Afghanistan zu verstärken.

14194834Das würde vor allem die Transporthubschrauber-Regimenter im nordrhein-westfälischen Rheine und in Laupheim (Baden-Württemberg) treffen. Und die lenken den Blick vom Material auf den Menschen: „Die Belastungsgrenze der für den Auslandseinsatz ausgebildeten CH-53-Besatzungen ist erreicht.“ Schnelle Einsatzfolge und wenig Regenerationszeit nagen an der Psyche der Heli-Truppe. Die Folge: Abwanderungswünsche wie bei den Ärzten und Frachtfliegern machen sich breit – das wäre einer weitere hochspezialisierte Problemgruppe für das Verteidigungsministerium, dass derzeit auch bei den Ärzten noch immer kein Rezept gegen die Fluchtbewegung gefunden hat. Nur mit einer ministeriellen Verfügung konnte ein Riegel vorgeschoben werden. Derzeit darf man nur mit Erlaubnis aus Berlin ausscheiden. Eine überzeugende Lösung sieht anders aus.

Kurzfristige Abhilfe ist also nicht zu erwarten. Immerhin: Die Division Luftbewegliche Operationen und der Sprecher für das Heer im Verteidigungsministerium erklären, dass Entlastungsoptionen für die CH 53-Crews „geprüft werden“.