Räumt OpInfo einen Standort?

Auf die Truppe wartet ein Herbst der Entscheidungen. Spätestens Ende September will der Verteidigungsminister sein neues Konzept vorlegen, das dann auch auch die Truppenstruktur und Standortfrage klären soll. Doch bereits jetzt werfen die Pläne ihre Schatten voraus, zeichnen sich mögliche Veränderungen ab. So auch beim einzigen Medienbataillon der Bundeswehr, dem Bataillon 950 in Koblenz.

Sicher ist in jedem Fall: Auf das Medienbataillon kommen große Veränderungen zu – nicht nur, weil jetzt der Kommandeur gewechselt hat. Nach nur zwei Jahren folgt Oberstleutnant Jörg Franke auf den gleichrangigen Stefan Gruhl nach. Doch vor allem die Worte des vorgesetzten Chefs des Mayener Zentrums für Operative Information (OpInfo), Oberst Wolfgang Richter, hallen nach: „Genießen Sie Ihre Zeit als Kommandeur dieses einzigen Medienbataillons – Sie werden einer der letzten sein.“ Im Rahmen der Bundeswehr-Reform steht die traditionelle Trennung zwischen Zentrum und Bataillon auf der Kippe. Intern wird über eine Zusammenlegung diskutiert – ob in Mayen oder Koblenz ist aber noch offen. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne Truppenteile und ihre Fähigkeiten für die Neuausrichtung nicht mehr benötigt werden. so ist beispielsweise fraglich, ob die schweren Druckeinheiten weiterhin benötigt werden. Spätestens wenn Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Ende September sein Konzept über Truppen- und Standortstruktur vorstellt, dürfte es Klarheit über die neue Ausrichtung der Operativen Information geben.

Es wäre ein herber Einschnitt für die Fachtruppe – obwohl sie stetigen Wandel gewohnt ist. In der Ära Gruhl wechselten alle Kompaniechefs. Permanent sind Truppenteile im Kosovo und in Afghanistan im Einsatz. In den kommenden zwei Wochen gehen die nächsten Koblenzer für vier Monate nach Afghanistan. Erschwerend kommt hinzu, dass zeitgleich mit dem Kommandowechsel auch die Zeit der rund 100 Wehrpflichtigen bei der Operativen Information endet. Die Aussetzung der Wehrpflicht dürfte das Medienbataillon noch härter als andere Truppenteile treffen. Durch die fachliche Spezialisierung ließ sich bisher ein großer Prozentsatz von einer Weiterverpflichtung überzeugen. Das entfällt nun, die Operative Information muss viel stärker als bisher und vor allem früher um Fachkräfte werden.

Doch Richter sieht das Bataillon für die Veränderungen gut aufgestellt. „Die Einsatzfähigkeit ist unter Oberstleutnant Gruhl nochmals erhöht worden“, würdigte Richter, „OpInfo ist für die anderen Einheiten im Einsatz längst nicht mehr ein lästiges Anhängsel, sondern ein wertvoller Bestandteil.“ Nicht zuletzt ein Ergebnis der „gut organisierten, durchdachten und intensiven Führung“. Der Lohn für den promovierten Generalstabsoffizier Gruhl: Er wechselt in den Planungsstab des Verteidigungsministeriums in Berlin. Ein Karrieresprung für den drahtigen 42-jährigen Kölner, der ursprünglich bei der Pioniertruppe ausgebildet wurde.

Sein Nachfolger Jörg Franke hat ebenfalls den Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr durchlaufen. Auf ihn wartet eine anspruchsvolle Aufgabe, muss er doch zugleich die Einheiten in Koblenz auf den nahenden Einsatz vorbereiten als auch immer Kontakt zu seinen Soldaten im Ausland halten. Erschwerend kommt hinzu, dass Franke direkt nach der Eingewöhnungsphase selbst zum Jahresende in den Auslandseinsatz muss. Auch sein Vorgesetzter, Oberst Richter, macht sich in wenigen Tagen auf den Weg an den Hindukusch. Keine idealen Voraussetzungen für die anstehende Phase der Umstrukturierungen. Aber oftmals Realität in einer Armee im Einsatz.