Verbaloffensive: „KT“ und das „K-Wort“

Dass der Verteidigungsminister offen von Krieg spricht, kommt bei den Soldaten gut an. Es spiegelt ihre Erfahrungen am Hindukusch wider. Foto: Bundeswehr

Monate fast Jahre haben Bundeswehr-Soldaten, die Afghanistan waren, darauf gewartet, dass die Realität am Hindukusch auch in Berlin angemessen in Worte gefasst wird. Verharmlost, vertuscht, zerredet – so empfanden sie ihre Arbeit in den immer phrasenhafter werdenden „Sprachregelungen“ aus dem Verteidigungsministerium. „Stabilisierungseinsatz“. Punkt. Wenn einzelne Soldaten den Einsatz als „Krieg“ sähen, dann sei dies nur so, weil der einzelne Soldat nicht den Blick fürs große Ganze habe – „…für den Einzelnen mag es sich so darstellen…“. Distanzierenden kann Sprache kaum benutzt werden.

Was am Anfang bei den Veteranen nur für Kopfschütteln sorgte, hat sich mit der stark gestiegenen Zahl der Angriffe und Opfer zu einem handfesten Frust ausgebaut. Vereinfacht gesagt: Auch wenn es scheinbar nur um ein Wort geht, ist mächtig Druck auf dem Kessel.

Dessen ist sich auch der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bewusst. Und deswegen hat er nicht gewartet, bis es wieder Opfer zu beklagen gibt und die Debatte auf ihn zukommt. Statt der reaktiven Führung Jungs ist er in die Offensive gegangen. Strategisch geschickt hat er dafür  die Bild-Zeitung genutzt, die selbst in den entlegendsten Feldlagern kursiert. Also, Herr Minister, herrscht in Afghanistan Krieg? Seine Antwort:

Ich will ganz offen sein: In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände. Zwar ist das Völkerrecht eindeutig und sagt: Nein, ein Krieg kann nur zwischen Staaten stattfinden. Aber glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten? Und: Manche herkömmliche Wortwahl passt für die Bedrohung von heute nicht mehr wirklich. Ich selbst verstehe jeden Soldaten, der sagt: „In Afghanistan ist Krieg, egal, ob ich nun von ausländischen Streitkräften oder von Taliban-Terroristen angegriffen, verwundet oder getötet werde.“ Der Einsatz in Afghanistan ist seit Jahren auch ein Kampfeinsatz. Wenigstens in der Empfindung nicht nur unserer Soldaten führen die Taliban einen Krieg gegen die Soldaten der internationalen Gemeinschaft.

Faktisch ist er dabei kaum bis gar nicht über die Jung-Position hinausgegangen. Aber der Ton macht die Musik und das persönliche Verständnis für die unterstellten Soldaten wird ihm viele Sympathien bringen. KT (Die Bundeswehr liebt und pflegt ihre Abkürzungen) differenziert geschickt: Dort ist das Völkerrecht – statische Buchstaben. Und hier ist die Realität des afghanischen Alltags – und dabei bin ich gefühlt auf eurer Seite, denn: „Ich selbst verstehe jeden Soldaten, der sagt…“. Es ist im Bendlerblock hoffentlich das Ende der gestanzten Sprachregelungen, die Kopfschütteln und mehr hervorrufen.