KSK-Doku – die Geheimnisse verteidigt

Hochgerüstet und ebenso ausgebildet - das KSK. Foto: PIZ Heer

Eine geheime Spezialeinheit der Bundeswehr zur besten Sendezeit: Für 30 Minuten Sendezeit (ARD 21.45 Uhr) hat sich ein Kamerateam unter die Bewerber im Auswahlverfahren für das Kommando Spezialkräfte gemischt. Zumindest wirkt es so: Beim endlosen Marsch einen Berg hinauf, läuft die Kamera an der Seite mit – nur dass der Soldat nochmals einen 25-Kilo-Holzblock aufgeladen bekommt. Auch beim Schießtraining oder der Fallschirmausbildung in Arizona – acht Sprünge am Tag – steht die Kamera direkt hinter dem Soldaten, sodass man ihn schwer atmen hört, ohne das Gesicht zu sehen. Es soll auch der Blick in die Seele eines Elitesoldaten, eines Einzelkämpfers sein. Bilder eines gemeinsamen Gottesdienstes sowie der Verleihung der Einheitsspange deuten den Korpsgeist der 1996 gegründeten und in Calw stationierten Truppe an. Spannende Bilder, die über die Leistungs- Selbstquälfähigkeiten von Menschen Aufschluss geben. Doch der entscheidende Satz fällt ganz zum Schluss, fast unhörbar.

Denn was das ARD-Team zwar andeuten, allerdings durch die Vorgaben der Truppe nicht erfassen kann, ist die Realität nach der Ausbildung. Was passiert, wenn das, wofür man ausgebildet wurde, wirklich eintritt? Wenn die Handkante ihm Nahkampf lautlos töten muss oder im unübersichtlichen Gefecht Dutzende Schüsse fallen? Der Zuschauer sieht, was das harte Auswahlverfahren mit Menschen macht, die weit über ihre Grenzen gehen. Doch entsteht zugleich nur eine vage Ahnung, welchen Veränderungen dieselben Menschen ausgesetzt sind, wenn sie das Erlernte im Einsatz anwenden.

Viele Mythen ranken sich um die KSK-Soldaten – nicht nur, weil sie mit Sturmhauben anonym bleiben. Die noch junge Einheit, die gegründet wurde, nachdem gefährdete Deutsche in Ruanda durch belgische Spezialisten gerettet werden mussten, hat laut Experten noch nicht zu einer eigenen Identität gefunden. Als Vorbilder dienen die Seals der Amerikaner oder die SAS-Einheiten der Briten.

In ruhigen, väterlichen Ton betont der Kommandeur, Brigadegeneral Hans-Christoph Ammon, zwar im Film, dass die KSK-Zugehörigkeit eher mit größeren Pflichten als mit größeren Freiheiten verbunden ist. Doch immer wieder berichten Magazine wie der Stern von eigenwilligem bis fragwürdigem Verhalten der KSK. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die Einheit, die formell der Division Spezielle Operationen untersteht, vom Rest der Bundeswehr weitgehend isoliert ist. Und selbst die Parlamentarier im Verteidigungsausschuss fühlen sich oft nur notdürftig über die Einsätze der KSK informiert – zum Beispiel jüngst, als es um die Rolle der „Task Force 47″ beim Luftangriff von Kundus oder die gezielte Jagd auf Talibankommandeure ging.

Die ARD-Dokumentation mag der Versuch gewesen sein, ein wenig Transparenz zu simulieren, ein wenig gegen die Mythen und Vermutungen vorzugehen. Das Ergebnis ist letztlich aber mehr als durchwachsen: Wer der Bundeswehr positiv gegenübersteht und sich vom Korpsgeist samt den Geheimnissen der Spezialeinheiten faszinieren lässt, den werden die Bilder vom gnadenlosen Auswahlverfahren beeindruckt bis begeistert haben. Wer jedoch skeptisch nach Sinn, Zweck und Verfassungskonformität der Calwer Truppe fragt, der wird an den unbeantworteten Fragen des Teams um Günther Henel hängen geblieben sein. Für die zweite Gruppe beginnt die eigentliche Geschichte dort, wo der Film zwangsläufig aufhört. Doch diese Fragen werden vorerst unbeantwortet bleiben – zumindest so lange wie der Einsatz in Afghanistan dauert. Das gehört zum Charakter und Sicherheitsverständnis von Spezialeinheiten dazu. Dass es nach Einsatzende offengelegt  wird, gehört indes zur Demokratie, nach deren Regeln das KSK zu operieren hat. Und dazu gehört auch, dass es vom Auftraggeber, dem Parlament, kontrolliert werden kann.

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