A400M: Poker um den Problem-Propellerriesen

Die unendliche Auf -und-Ab-Geschichte um den Militärtransporter bekommt ein neues Kapitel. Nach dem Jungfernflug kurz vor Weihnachten – aber lange nach dem geplanten Termin vor drei Jahren – folgt nun der nächste Tiefschlag. Der Airbus-Transporter wird teurer – das war bereits bekannt. Er wird um 11,3 Milliarden Euro teurer – das war so sicher nicht geplant. Und es schockt vor allem die sieben Bestellernationen, denn die sollen nun knapp die Hälfte dieser Mehrkosten übernehmen. Kommt es nicht zur Einigung, will Airbus das Projekt zügig einstampfen.

Vertraglich ist zwar festgelegt, dass es zu Nachzahlungen kommen kann. Als Inflationsausgleich sowie um Materialpreise abzufedern. Deutschland würde in diesem Rahmen etwas mehr als 600 Millionen Euro nachschieben. „Mehr nicht!“, stellt Berlin klar. Jetzt sagt EADS: Die Kosten sind deshalb so explodiert, weil die Besteller immer neue Wünsche hatten und Airbus zudem nicht auf Technik außerhalb Europas zurückgreifen sollte. Luftfahrt-Experte Sascha Lange von der Stiftung Politik und Wissenschaft sieht darin nur einen Vorwand: „Grundsätzlich war Airbus bei der Zeitplanung für das Projekt A400M zu optimistisch.“

Dass der Militärtransporter bei Geld und Zeitplan so ins Hintertreffen geraten ist, liegt für Lange vor allem auch an der Prioritätensetzung im Luftfahrtkonzern. Denn die zivile Sparte ist letztlich der Geldbringer und wurde in den vergangenen Jahren deshalb bevorzugt behandelt. Problem: Schon der Superjet A 380 war ein Problemkind – und ist es bis heute: „Nach wie vor binden Kinderkrankheiten beim A380 weltweit zahlreiche Ingenieure. Zugleich gehe ich davon aus, dass auch das wichtige Zukunftsprojekt A 350 bereits in Verzug ist“, analysiert Lange. Der militärische Transporter steht also am Ende der Konzern-Nahrungskette. Ob es da so schlau ist, auch noch mit dem Ende des Projekts zu drohen? Wohl kaum! „Ich halte die Airbus-Aussagen über einen Ausstieg eher für eine Drohkulisse. Der Konzern müsste dann hohe Abschreibungen in Kauf nehmen und Milliarden Euro zurückzahlen.“ Und das kann sich der deutsch-französische Großkonzern nun gar nicht erlauben.

 

Doch denken wir das Szenario einfach mal zu Ende: Angenommen, Airbus zieht alle Ingenieure zu den zivilen Produkten ab und lässt das größte gemeinsame Rüstungsprojekt Europas sterben. Was wären die Konsequenzen für Airbus? „Ein Ausstieg wäre ein erheblicher Rückschlag für die Pläne der EADS, im militärischen Bereich weiter zu wachsen“, prophezeit Lange. Mit dem Aus würde nicht nur das Vertrauen tiefe Schrammen abbekommen, auch das anvisierte Marktsegment würde endgültig bei den US-Produkten Hercules und Globemaster verbleiben. Nicht auszuschließen, dass der Vertrauensverlust auch die anderen Rüstungsprodukte des deutsch-französischen Konzerns erfasst.

 

Und die Bundeswehr? Mit 60 Bestellungen ist sie immerhin der größte Abnehmer für den Transporter. „Das Ende des A400M wäre für die Bundeswehr nicht zwangsläufig ein Beinbruch“, sagt Lange. Die deutschen Transall-Maschinen sind gut gewartet, zudem hätten die Deutschen ihre Maschinen in den vergangenen Jahrzehnten längst nicht so stark belasten müssen, wie beispielsweise die Franzosen bei ihren Afrikaeinsätzen. Doch: „Die Wartungskosten für die Transall werden weiter steigen.“ Das Problem Lufttransport wäre somit auch nur aufgeschoben, was den Blick auf ein politisches Problem lenkt: In Berlin sind nie Alternativen zum Airbus erarbeitet worden. Das hätte politisch einfach nicht gut ausgesehen. Das weiß man bei der EADS auch – und deshalb macht die Drohung fast schon wieder Sinn.