Schottlands No: Die beste aller Lösungen

Der Schotten - Junge trägt die Flagge im Gesicht. Auch wenn er noch nicht abstimmen konnte.

Der Schotten – Junge trägt die Flagge im Gesicht. Auch wenn er noch nicht abstimmen konnte.

Die Vernunft hat gesiegt. Das Votum der Schotten gegen eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich ist das Beste, was Schotten, Briten und Europäern passieren konnte. Ein Ja hätte nicht nur für Schottland unkalkulierbare Risiken gebracht, sondern hätte in vielen EU-Staaten wie Spanien und Italien eine Lawine des Separatismus lostreten können. Auch wenn die Probleme und Tendenzen im Baskenland, Katalonien und Südtirol bleiben – sie sind zumindest nicht verschärft worden.
Bleibt nun alles beim Alten? Mitnichten! Die Wahlbeteiligung war zwar so hoch, dass das Votum politisch nicht anzufechten ist. 45 Prozent Opposition zu London zeigen aber auch, dass dringender Gesprächsbedarf besteht. Downing Street bewegt sich nun zügig und löst das Versprechen ein, das es angesichts einer immer dynamischeren Abspaltungstendenz gegeben hatte: Mehr Selbstbestimmung für die Regionen – vor allem in Steuerfragen. Nur so lassen sich möglichst viele der Ja-Wähler wieder auf die Seite des britischen Bundes ziehen. Die Schotten bekommen also Aufmerksamkeit und Zugeständnisse, ohne zugleich die Unwägbarkeiten der plötzlichen Eigenständigkeit tragen zu müssen.
Damit tun sie nicht nur dem Königreich einen Gefallen, indem sie eine Modernisierungsdebatte erzwingen, sondern auch ganz Europa. Es wird hoffentlich ein heilsamer Schock für Premier David Cameron sein, der die schottische Frage zunächst unterstützte und mit seiner EU-Austritts-Polemik indirekt noch befeuerte. „Better together“ – besser gemeinsam – sein Flehen für den Verbleib der Schotten gilt im Umkehrschluss genauso für die EU. Jede separierende Stimmungsmache gegen Brüssel und den „Kontinent“ verliert vor dem Hintergrund des Votums jede Glaubwürdigkeit.
Brüssel kann zumindest ein bisschen aufatmen. Die pro-europäischen Schotten bleiben als Korrektiv zu den europa-skeptischen Engländern erhalten, was einen Austritt Großbritanniens weniger wahrscheinlich macht. Zudem hat das Votum gezeigt, dass die Mehrheit für sachliche Gespräche ist und gegen die Brechstangenmethode. Langfristig ist das Nein daher auch ein Gewinn für die national eingestellten Schotten, die sich gestern als Verlierer fühlten.