Licht am Ende des Isaf-Tunnels – kommt der Abzug bis 2014?

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Afghanistan, seine Provinzen und die Nato-Aufteilung (Zweimal auf die Karte klicken, um sie zu vergrößern) Quelle: Isaf

Hoffnung, aber auch Skepsis. Auf jeden Fall eine Menge von beidem. Das lösen die Zahlen für ein mögliches Ende des Afghanistaneinsatzes aus. Durchgesickert sind sie beim englischen „Independent“ („Exclusive: Official – Troops out of Afghanistan by 2014″), der ein Schreiben hat, das der Uno-Sondergesandte für Afghanistan, Staffan de Mistura, an westliche Diplomaten geschickt hatte. Danach soll die afghanische Armee die Kontrolle aller Provinzen bis 2014 übernehmen. Es wäre das Licht am Ende des Tunnels in einem Einsatz, der in diesem Monat so viele Nato-Soldaten wie noch nie seit 2001 das Leben gekostet hat und dessen ohnehin mäßiger Rückhalt in den Einsatzländern weiter schwindet.

Noch in diesem Jahr sollen die ersten Provinzen übergeben werden. Die Bundeswehr will ihre erste 2011 an die Afghanische Nationalarmee (ANA) übertragen. Es wäre ein deutliches Zeichen, dass es voran geht in einem Einsatz, der fast ein Jahrzehnt läuft. Deutsche Politiker wie Militärs sprechen immer wieder davon, dass letztlich nur ein Zehntel der Provinzen wirklich als „Unruheregion“ zu bezeichnen sind. In wie weit dies nur der Theorie oder auch der Praxis entspricht, wird sich bald zeigen. Doch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat vor wenigen Tagen im Gespräch jedenfalls klargemacht, dass nur übergeben wird, wenn es die Sicherheitslage auch wirklich zulässt. „Auf Symbolik dürfen wir nicht bauen.“

Der ehrgeizige Plan, der am Dienstag auf der Afghanistankonferenz in Kabul vorgestellt werden soll, bedeutet aber auch: Bis dahin müssen die Nato-Staaten ihren Einsatz verstärken und auch mehr Geld muss fließen, damit Ausbildungs- und Reintegrationsprogramme auch wirklich greifen. Das Partnering-Programm, das in diesen Tagen anläuft, wird im Zweifel mehr Opfer – konkret: Menschenleben – kosten. Alternativen sind allerdings kaum vorhanden. Entscheidend ist letztlich, dass es eine klare Perspektive für den Abzug gibt. Die Briten beispielsweise wollen bis 2014 komplett abgezogen sein. Die Bundeswehr – beziehungsweise ihr Auftraggeber, der Bundestag – sollte das gleiche Ziel haben. Es wird hoffentlich ein Ende ohne allzugroßen Schrecken, als der Schrecken ohne Ende zu bleiben.

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Männer wie dieser ANA-Oberstleutnant sollen ab 2014 ihr Land eigenständig gegen innere und äußere Feinde verteidigen. Foto: Lausmann

Entscheidend bei diesem Plan bleibt aber leider auch, in welchem Maß Afghanistans umstrittener Präsident Hamid Karsai Korruption sowie Drogenhandel und-konsum bekämpft. Noch viel stärker als vor einigen Jahren muss man an seinen Absichten zweifeln. Dass es bereits wenige Tage nach Ankunft des neuen Isaf-Kommandeurs, David Petraeus, zu Spannungen kam, verstärkt dieses ungute Gefühl nur noch zusätzlich.

Die Afghanistankonferenz muss deshalb auch erneut dazu dienen, realistische Ziele zu definieren. „Ohne Denkverbote“, wie es derzeit  in BMVG und Kanzleramt immer wieder so schön heißt. Vielleicht kommt man dabei auch zu dem Schluss, dass ein „verantwortungsbewusster Egoismus“ das Gebot der Stunde ist. Der definiert sich so: Kein überhasteter Abzug, der alles einreißt. Aber zugleich ein viel kleinerer gemeinsamer Nenner beim Ziel der Sicherheit. Man hat Jahre gebraucht, um anzuerkennen, dass aus Afghanistan keine Demokratie nach westlichem Vorbild wird. Nun sollte man sich schneller eingestehen, dass es auch keinen starken Zentralstaat geben wird, der rechtsstaatlich von Kabul aus regiert.

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