Krieg – was sonst?

2863„Es ist ein Stabilisierungseinsatz“ – dieser Satz dürfte wohl auf dem Messingschild stehen, das unter Franz Josef Jungs Bild in der Ahnengalerie früherer Verteidigungsminister auf der Hardthöhe hängen wird. Ein Satz wie ein Mantra, das bei jeder Wiederholung mehr Kopfschütteln hervorrief. Letztlich war es zu einem guten Teil gar nicht mehr die wirklich Lage in Afghanistan, die zu Kritik an Jung führte, sondern der quälende verbale Umgang damit im Ministerium.

Ob sein Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die rhetorischen Eiertänze fortsetzt, bleibt abzuwarten. Doch selbst wenn er ebenfalls einen Bogen um das „K-Wort“ macht, wird er es vermutlich eleganter tun, als sein Vorgänger. Vielleicht gelingt ihm auch eine Neuschöpfung – das Bundeswehrdeutsch bietet noch viele Schlupfwinkel, um Realitäten zu kaschieren. Täuschen und Tarnen eben.

Das wird aber nichts daran ändern, dass der Afghanistan-Einsatz durch seine Opfer und Intensität als Krieg wahrgenommen wird – und auch immer mehr Menschen klar von einem Kriegseinsatz sprechen. Nun kommt ein prominenter Befürworter hinzu. Michael Dutzmann, Landessuperintendent der Lippischen Landekirche und als Militärbischof höchster evangelischer Militärgeistlicher der Bundeswehr.

Bei der Evangelischen Synode – an der auch der Befehlshaber des Heeresführungskommandos Generalleutnant Carl-Hubertus von Butler teilnimmt als Vertreter teilnimmt – erklärte er nun in seinem Bericht:

„Ich selbst habe gelernt, dass es angemessen ist, von „gefallenen“ Soldaten zu reden, wie dies mittlerweile in der und in weiten Teilen der politischen Öffentlichkeit üblich ist. Was die Etikettierung des Einsatzes als Krieg“ betrifft, so trifft diese Bezeichnung voll und ganz das Empfinden der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten: Sie erleben und erleiden, dass sie in Gefechte verwickelt werden, dass Kameraden verwundet werden und fallen und dass selbst Menschen töten müssen. Was anderes ist das als Krieg?“

Klare Worte, die vor allem vielen Soldaten, die im Einsatz in Nordafghanistan waren aus der Seele sprechen. Die Debatte um das Wort „Krieg“ wird weitergehen. Und sie wird hoffentlich noch breitere Schichten der Bevölkerung ergreifen. Es wäre einer von vielen wichtigen Schritten weg vom „freundlichen Desinteresse“ (Bundespräsident Horst Köhler), das das Verhältnis von Deutschen und Bundeswehr bislang prägt.

Die Kurzfassung des Berichts finden Sie hier: Bericht_Militaerbischof_kurz.

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