Irak – der „embedded“ Krieg endet (?)

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Walter Rodgers zog mit CNN in den Irakkrieg. Foto: CNN

Der Irakeinsatz endet für die USA genauso wie er im März 2003 begonnen hat: Viel Inszenierung, US-Medien die mitspielen wollen und wenig verlässliche Wahrheiten – und doch ist der Grundton ganz anders. Offiziell sind nun die letzten US-Kampftruppen aus dem Irak abgezogen, viele sehen den Krieg als beendet an. Es ist ein politischer Schachzug, nicht mal allzu geschickt, denn die verbleibenden mehr als 50.000 GIs haben offenbar einfach ein anderes Etikett bekommen. Sie sind nur noch Berater und Ausbilder – auf ihre Waffen und gepanzerten Fahrzeuge werden sie dabei aber sicher nicht verzichten wollen. Ist der Einsatz beziehungsweise Krieg also vorbei? Nein. Entsprechend hütet sich Präsident Barack Obama auch vor dem „Mission accomplished“-Getue seines Vorgängers.

Vielmehr ist nun eine Einheit medienwirksam aus dem Land gerollt, im sicheren Hafen Kuwait durften sich die Soldaten vor den Kameras freuen, dass sie gerade der Hölle entkommen waren. Doch es sind nur Obamas „Mutmacher-Szenen“ für die Heimat, denn viele der Soldaten werden sich bald einige Tausend Kilometer weiter östlich wiederfinden – in Afghanistan. Dort, wo die US-Truppen im vergangenen Monat so viele Verluste wie noch nie hatten.

Entsprechend verhalten ist der Jubel in Medien wie CNN. Denn mit dem vermeintlichen Ende des Irakkrieges fällt der Blick auch automatisch auf seinen Anfang. Eine Zeit der Hysterie, der von Bush gesähten Kreuzzüge gegen den Terror und alles, was man sonst noch aus dem Weg haben wollte. Und die Medien vor allem CNN spielten damals patriotisch unkritisch ihre Rolle.

„Zufall“? „Praktikantenglück?“ Ich hospitierte in jenem März 2003 für mehrere Monate beim Nachrichtensender n-tv, der damals eine Kooperation mit CNN und RTL hatte. Seit den frühen Morgenstunden des 20. März 2003 waren wir dabei, wie das Rennen nach Bagdad lief – live und durchgehend! Der Krieg aus der ersten Reihe. Denn einige Kollegen waren nun „embedded“, das heißt mitten drin statt nur dabei. Weste an, Helm auf. Kritische Distanz war nicht so wichtig, schließlich fuhr man auf den „Panzern der Guten“ mit. So zum Beispiel CNN-Reporter Walter Rodgers, der sich als alter Haudegen stilisierte und geradezu persönlich beleidigt war, als seine Panzerdivision nach vier Tagen rasantem Vormarsch ohne irgendwelchen Widerstand plötzlich erst durch Spritmangel und dann durch einen Sandsturm zum Stehen kam. Er hätte wohl am liebsten persönlich Saddam verhaftet.

Ähnlicher Überschätzung unterlagen auch einige CNN-Reporter, die an einem ruhigen Sonntagmorgen Saddams Heimatstadt Tikrit erobern wollten. Mit offenem Fenster und laufender Kamera fuhren sie die morgendlichen Straßen ab. CNN bezwingt Tikrit sollte wohl die Story heißen. Sie wurde dann abgekürzt, als Iraker das Feuer eröffneten. „Sie schießen auf uns!“, brüllte der Reporter noch ins Mikrophon bevor der Fahrer das Gas durchtrat. Ach wundert Euch das? CNN und andere waren selbst zum Instrument Bushs und ihrer eigenen Gier nach Hautnah-Bildern geworden. Auch das ist eine Geschichte, die beim dezenten Rückzug aus dem Irak gerne ausgeblendet wird.

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2 Gedanken zu “Irak – der „embedded“ Krieg endet (?)

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  • 20. August 2010 um 12:54
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    Was machen denn all jene nun, die den embedded war gut finden, Spaß daran haben?

    Die brauchen doch eigentlich nun ein anderes „Spielzeug“?
    Stürzen die sich vielleicht jetzt auf Katastrophenberichterstattung? Sozusagen embedded by Indus oder by earth quake? Einziger Nachteil: man weiß nicht genau wann es wo losgeht. Aber das geht Papaparazzis ja ähnlich.

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