Herrhausen – Ein Anschlag, keine Spur

Deutsche Bank Türme Alfred Herrhausen

Die Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt
Alfred Herrhausen Arbeitsplatz und das Ziel der Fahrt am Morgen des 30. Novembers 1989.

Vor 25 Jahren starb der Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch eine Bombe. Die Rote Armee Fraktion gilt als Täter, juristische wie kriminalistisch eindeutig nachgewiesen ist das allerdings nicht. Auch deshalb ist der Fall bis heute rätselhaft.

Rückblick: Die Explosion in Bad Homburg erschüttert ganz Deutschland, reißt es aus seiner Mauerfall-Euphorie. Als der schwergepanzerte Mercedes um 8.37 Uhr die Lichtschranke durchfährt, löst er die auf einem abgestellten Fahrrad deponierte Bombe aus. Die Wucht hebt das tonnenschwere Fahrzeug hoch, schwer beschädigt bleibt es quer zur Fahrbahn liegen – das Bild brennt sich ein. Bis heute.

Der Fahrer wird bei dem Anschlag vor 25 Jahren nur leicht verletzt, der 59-Jährige auf der Rückbank ist das eigentliche Ziel: Alfred Herrhausen, Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank, verblutet am Tatort. Der Bankmanager ist heute neben Hanns Martin Schleyer das bekannteste Opfer der RAF. Doch neben dem Mythos bleiben viele Zweifel.

Das Opfer

Herrhausen gilt 1989 als einer der ersten Stars unter den Topmanagern. Er hebt sich ab. Die Vorstände der Banken und Konzerne sind meist geschlossene Zirkel älterer Männer. Der gebürtige Essener tritt hingegen dynamisch, alert auf, äußert sich zu politischen und sozialen Themen, ist enger Vertrauter von Kanzler Helmut Kohl (CDU). Einen Schuldenerlass für die Dritte Welt hat er sich auf die Fahnen geschrieben, jettet dafür durch die Welt. Das bringt ihm viel Anerkennung ein, weckt aber auch Argwohn und Neid. Zumal Herrhausen für die Banker einen Makel hat: Er ist Quereinsteiger aus der Energiebranche. Sein forscher Expansionskurs wird nicht von allen goutiert.

Die Täter

Neben der Batterie für die Lichtschranke wird ein Bekennerschreiben der „Rote Armee Fraktion“ gefunden. Es zeigt das RAF-Emblem und drei Worte: „Kommando Wolfgang Beer“. Der Stil ist untypisch für die RAF, die ihre Taten bislang immer ideologisch begründet hat. Das nährt Zweifel an der offiziellen Version. Danach ist der 1993 in Bad Kleinen getötete Wolfgang Grams einer der möglichen Täter. Er ist eine der zentralen Figuren der dritten Generation der Terrorgruppe, die vor allem eines charakterisiert: Sie hinterlassen keine Spuren.

Die Behörden

Der Vorwurf des Totalversagens ist für die Sicherheitsbehörden kaum zu widerlegen: Obwohl Herrhausen als eine der bestbewachten Personen Deutschlands gilt, nimmt niemand davon Notiz, dass die Täter schon Wochen vorher den Tatort ausspähen und eine falsche Baustelle anlegen – amateurhaft mit Brechstange und Hammer. Eine gelegte Verkabelung in einem Gebüsch findet ein Spaziergänger, die Täter bessern wenige Tage später nach – ungestört. Nach der Tat geraten Fahnder und Geheimdienste ins Zwielicht. Sie präsentieren Zeugen, die keine sind. Der Verdacht der Spurenmanipulation wird laut.

Die Bank

In den Frankfurter Türmen der Deutschen Bank währt der Schock an jenem Tag nur kurz. Bereits mittags tritt der Vorstand zusammen, wenig später steht mit Hilmar Kopper der Nachfolger Herrhausens fest. Die Bank wollte Handlungsfähigkeit demonstrieren, wird er später sagen. Erst wenige Tage zuvor hatte sie eine britische Investmentbank übernommen, war in ein globales Geschäft vorgestoßen, das bislang von japanischen und US-Banken bestimmt war.

Der Mythos

Bis heute wird der Fall Herrhausen von vielen Seiten instrumentalisiert. Den einen dient er für Verschwörungstheorien vom mordenden Staat, der die dritte Generation für eine Fiktion hält, obwohl RAF-Terroristin Eva Haule 2007 sagt: „Die RAF war verantwortlich.“ Andere vermuten wirtschaftliche Interessen: Bei einem Schuldenerlass wäre die Deutsche Bank abgesichert gewesen, nicht aber die Konkurrenz. Selbst Alfred Herrhausen wird instrumentalisiert: Wer sich in der Bankenkrise positionieren will beruft sich auf den „Banker mit sozialem Gewissen“. Wie Herrhausen sich in der Bankenkrise verhalten hätte? Auch das ist Spekulation.

„Every Commander has to leave“

Vor rund zwei Jahren trat David Petraeus als CIA-Direktor zurück. Wegen eine außerehelichen Affaire. Es war der unrühmliche Schlusspunkt einer Musterkarriere. Der Berufssoldat aus dem Staat New York galt vielen als der Beste seiner Generation. Zwei Mal war er Isaf-Kommandeur in Afghanistan, im Irak schaffte er die zwischenzeitliche Wende. Heute ist Petraeus Analyst und leitet eine Forschungsgruppe für ein Investmentunternehmen.

Im Sommer 2011, kurz vor seiner Berufung zum CIA-Chef, konnte ich mit ihm in Kundus ein Interview führen. Er nahm das Ende schon damals vorweg: „Every commander has to leave!“

Das Interview im Original:

Petraeus

Treffen mit David Petraeus im deutschen Feldlager Kundus im Sommer 2011. Der General ist zu dem Zeitpunkt Kommandeur der Isaf.

General Petraeus, the German government is considering reducing their troops in Afghanistan at the end of the year. Is there enough space for that?

David Petraeus: First of all, these kinds of decisions are national decisions and they’ll be taken quite confidently in accordance with conditions on the ground. All the leaders of the contributing nations in Afghanistan do so. The German contribution has been very impressive.

What makes you think so?

Petraeus: I first visited the German contingent last summer, shortly after taking command in July. At that time, the German combat units were just preparing their first combat operations in modern German history. Since that time they have done exceedingly well. The police program in Baghlan has been initiated at the same time and the partnering program with the Afghan National Army has blossomed.

Also special operations?

Petraeus: Also special operations have been conducted in the northern area and have contributed a lot to the security in this region.

But still there are problems…

Petraeus: Certainly there have been setbacks as well as successes. There have been sacrifices and also tragic losses along the way. But every German citizen can and should be very proud of the contribution that German soldiers and civilians have made throughout the northern region. They have built a pass to the future for the Afghans.

Is Isaf still in time?

Petraeus: Again, a year ago, when I took command, I wouldn’t have predicted that we would be where we are now. The Taliban were pushed back and we took their momentum. Not only the progress but also the potential that exists in this region is particular.

In several days you are leaving for Langley to become CIA-Director. Is your personal mission in Afghanistan accomplished?

Petraeus: Well, I think it is always difficult to leave a mission that is still ongoing. But that’s the way these missions are. But there is a time every commander has to leave. I feel very privileged that President Obama has nominated me to become director auf the CIA.

What makes the CIA particular?

Petraeus: It is a truly extraordinary organization with very impressive people. Nothing has shown that more than the recent conducted operation in Abbottabad.

Thank you, General.

Petraeus: You are welcome