Das Ende des Pendel-Soldaten?

Unter der Woche sind viele Soldatenfamilien getrennt. Foto: flickr /Bundeswehr

Ein Telefonat mit dem Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus, ist vergangene Woche in einen interessanten Vorschlag gemündet: Weniger Pendeln, mehr Familie – so die Rechnung des FDP-Politikers. Doch dazu wäre ein riesiger Umbau der Bundeswehrstrukturen nötig. Dazu habe ich folgenden Text in der Rhein-Zeitung veröffentlicht:

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, hat sich im Rahmen der Bundeswehrreform für die Bildung von Fähigkeitsschwerpunkten ausgesprochen. Hintergrund ist die derzeit schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Streitkräften. „Derzeit sind 70 bis 80 Prozent der Soldaten Wochenendpendler, die Scheidungsrate in den Streitkräften ist extrem hoch“, berichtet Königshaus im Gespräch mit unserer Zeitung über die Sorgen und Nöte der Soldaten. Wären die Standorte, zum Beispiel von Pionieren oder ABC-Truppen, samt Ausbildungseinheiten in einer Region gebündelt, würde vielfaches Umziehen sowie monatelanges Pendeln überflüssig. „Die Reform ist eine gute Chance, diese Probleme zu beheben und mehr Verlässlichkeit zu bieten“, hat Königshaus auch in Gesprächen mit der Weise-Kommission betont.

Viele Soldaten werden in regelmäßigen Abständen versetzt oder auf mehrmonatige Lehrgänge geschickt. Die Folge: Die Familie bleibt an einem Ort, der Soldat muss sich am jeweiligen Ort eine Zweitwohnung nehmen. Eine finanzielle wie psychische Belastung. Das Familienleben leidet so auch ohne Auslandseinsatz erheblich. Und das Problem soll in den vergangenen Jahren weiter zugenommen haben.

Dort, wo Pendeln nicht zu vermeiden sei, müssten die Streitkräfte genügend Unterkünfte vorhalten, damit die Soldaten nicht doppelt belastet werden. „Es kann letztlich nicht darum gehen, einzelne Kasernen vollzupacken und alle anderen zu schließen. Diese Rechnung wird nicht aufgehen“, erklärt Königshaus. „Frei werdende Liegenschaften sollten in Pendlerwohnungen umgebaut werden.“ Es sei unzumutbar, wenn sich erwachsene Männer aus finanziellen Gründen eine kleine Wohnung teilen müssten, weil der Dienstherr den Ortswechsel zwar befiehlt, aber dies zugleich nicht finanziell ausgleicht.

Prinzipiell gibt es derzeit große Unsicherheit unter den Soldaten, wie und in welcher Größe es mit den Streitkräften weitergeht. Das ist bei so durchgreifenden Umbauten unvermeidbar, so Königshaus. Aber die nötigen Entscheidungen sollten schnellstmöglich fallen, damit den Betroffenen wieder eine mittel- und langfristige Lebens- und Familienplanung möglich ist. Das gelte für den militärischen wie den zivilen Teil der Streitkräfte gleichermaßen.

Doch das braucht Zeit: „Der Minister bemüht sich um schnelle Entscheidungen, aber die Reform kann nur Schritt für Schritt erfolgen“, gibt der Wehrbeauftragte zu bedenken. Zunächst muss geklärt werden: Was soll die Bundeswehr der Zukunft leisten können, und für welche Aufgaben kommt sie infrage? Dann: Wie müssen die Streitkräfte dafür idealtypisch aufgebaut sein? Und schließlich: Welche Struktur finden wir vor, und wie können wir sie effektiv und schnell umbauen?

Und bereits der erste Schritt bedarf laut Königshaus klarer Überlegungen: Wie groß ist die Bedeutung von Heimat- und Katastrophenschutz? Die Entscheidungen müssten langfristig Bestand haben. Deshalb reiche auch nicht eine Fortschreibung des Weißbuchs von 2006: „Man muss in vielen Bereichen neu ansetzen. Die Veränderungen der vergangenen vier Jahre haben das Weißbuch mittlerweile überholt.“

Anschließende Reaktionen höhere Offiziere fielen allerdings recht pessimistisch aus. Grund: „Wenn man homogen gewachsene Einheiten in den Einsatz schicken will, dürfen sie sich nicht erst am Flughafen kennenlernen.“ Zudem müssten Manöver dann immer bundesweit abgehalten werden.

Es bleibt also spannend, ob sich der Impuls bei der Reform wiederfindet.